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Die Geschichte des Löwenhofs

Das Stahlhaus in den 50er Jahren

Der Löwenhof wurde in den Jahren 1912/1913 nach Plänen der Architekten Paul Lutter und Hugo Steinbach errichtet. Die neobarocke Fassade aus Naturstein wird an der Front zum Burgtor von zwei sitzenden Löwen geziert. Sie erinnern heute noch an die einstige Löwenhofherrlichkeit.

Im Erdgeschoß des Gebäudes befand sich das Restaurant Löwenhof der ehemaligen Löwenbrauerei, im 1. Obergeschoss tat sich eines der größten Konzert-Cafés Westdeutschlands auf: Das Elite-Café Löwenhof. Vom Café hatte man einen herrlichen Blick auf das Bahnhofsgelände mit dem im Jahre 1910 neu errichteten Bahnhofsgebäude. Der Zugang zum Konzert-Café erfolgte vom Burgtor über eine mit rotem Teppich ausgelegte Marmortreppe. Zum Café gehörten eine Weindiele und - das war die Attraktion - ein Billardsaal mit neun Billards. Zwei Kapellen wetteiferten im Café um die Gunst des Publikums.

Das Stahlhaus

Die Inneneinrichtung des Elitecafés Löwenhof
Das Chefzimmer der Firmenzentraule Heinrich Auguste Schulte

Seit 1921 beherbergte das Gebäude des Löwenhofes darüber hinaus den Firmensitz der Heinr. Aug. Schulte Eisenhandlung. Die Gründung des Unternehmens durch Heinrich August Schulte liegt im Jahr 1896. Zunächst waren in einem einfachen Fachwerkschuppen in der Kielstraße Büroräume und Warenlager untergebracht. Die Expansion des Unternehmens erforderte eine Erweiterung der Geschäftsräume, die sich in der Nordstraße fanden. 1921, kurz nach dem 25-jährigen Firmenjubiläum nahm die Zentrale des Unternehmens Heinrich August Schulte ihren Sitz an der Hansastraße 2, in den oberen Geschossen des Löwenhofs.

Das Gebäude erhielt auch im äußeren Erscheinungsbild einen neuen Akzent: Über den beiden Löwen an der Fassade des 32 Meter hohen fünfgeschossigen Gebäudes prangte in großen Buchstaben der neue Name "Stahlhaus". Für die Dortmunder und Dortmunderinnen wurde er über Jahrzehnte zu einem festen Begriff. Im Erdgeschoß gab es außer dem Restaurant "Löwenhof" verschiedene Geschäfte und einen Frisiersalon. Der Eingang zur Firmenzentrale lag am Burgtor, ausschließlich Kunden hatten das Privileg, auf läuferbelegten Stufen zur Eingangstür zu gelangen - für die Belegschaft gab es nur den schlichten Seiteneingang. Das Treppenhaus war in weißem Marmor gehalten. Ein Emailleschild forderte Besucher dazu auf, vor Betreten der Büros die Füße abzustreifen.

Im 1. Stock stieß man auf eine Portierloge, an der vorbei man durch eine Tür zu dem von sechs Marmorsäulen getragenen Lichthof gelangte. Links davon war der Kassenbereich, rechts das Hauptbüro, das 30 Mitarbeitern Platz bot.

Auch im zweiten und dritten Stock dominierten zweckmäßig eingerichtete Büros. Jede Etage wurde wie eine Wohnung durch eine Eingangstür abgeschlossen. Die vierte Etage im Stahlhaus war von Fremdfirmen angemietet. Im Dachzimmer wohnte der Hausmeister.

Zerstörung und Wiederaufbau

Konferenzraum bei Heinrich August Schulte

In einem nächtlichen Brand- und Sprengbombeneinschlag wurde das Gebäude im Jahr 1943 zerstört, die Firma Heinr. Aug. Schulte siedelte in das Hafengebiet um. Vier Jahre nach Kriegsenden kehrte die Firma in das wieder aufgebaute Stahlhaus zurück. Von 1945 bis 1948 beherbergte der ausgebrannte Löwenhof das ursprünglich gegenüber liegende Hauptpostamt, welches ebenfalls zerstört war. Hinter der ehemaligen Schaufensterfront am Burgtor wurde eine Holzbaracke installiert, in der eine Behelfsschalterhalle für die Annahme bzw. Ausgabe von Brief- und Paketsendungen eingerichtet wurde.

Mit finanzieller Hilfe der englischen Militärregierung wurde der Löwenhof durch die Firma Lorf und Jänisch wieder aufgebaut. Der gesamte Dachstuhl mußte neu errichtet werden, da das Firstgerüst zerschlagen war. 280 Arbeiter waren bis 1948 damit beschäftigt, das Gebäude wieder herzustellen. Im Jahr 1949 erfolgte endlich die große Eröffnung des Hauses. In den oberen Etagen befand sich wieder die Zentrale für alle Niederlassungen der Firma Heinr. Aug. Schulte. Neu eingerichtet wurde das englische Kulturinstitut "Die Brücke".

Die Brücke

Kinosaal im englischen Kulturinstitut "Die Brücke"

Im Dortmund der Nachkriegsjahre gab es trotz intensiver Bemühungen um eine sinnvolle Förderung kultureller Einrichtungen keine Räumlichkeiten für Theater oder Konzertveranstaltungen. Zwei öffentliche Einrichtungen bemühten sich um Kultur und Bildung: Die Volkshochschule und "Die Brücke". Diese von Mr. Brand geleitete Einrichtung verfügte über einen Konzertsaal, eine Freihandbibliothek, einen Lesesaal, einen wissenschaftlichen Leseraum, ein Diskussionszimmer, einen Radiohörraum - denn kurz nach dem Krieg verfügte nicht jeder Haushalt über ein eigenes Radio - sowie ein Diskussionszimmer. Das Kulturangebot der Brücke ist noch vielen Dortmunder Bürgern und Bürgerinnen in Erinnerung. Das Gebäude wurde bis zum Sommer 1991 von der Firma Thyssen Schulte als Hauptverwaltung genutzt.

Über viele Jahrzehnte seit der Errichtung des Löwenhofes im Jahr 1912, waren sie ein Blickfang im Dortmunder Stadtzentrum: Die beiden steinernen Löwen hoch über dem Portal der früheren Hauptverwaltung von ThyssenSchulte. Doch der Zahn der Zeit nagte auch an ihnen. Wind und Wetter sowie zunehmende Umwelteinflüsse hinterließen deutliche Spuren am ehemals sandfarbigen Gestein vulkanischen Ursprungs. 1980 kam es daher im Zuge der Restaurierung der Außenfassade des inzwischen denkmalgeschützten Gebäudes auch zu einer aufwendigen und vielbeachteten Generalüberholung der Löwen durch Thyssen Schulte. Die "Verjüngungskur" kostete ca. 1,5 Millionen DM.

Haus der Volkshochschule

Der Lesesaal im englischen Kulturinstitut "Die Brücke"

Ein neues Kapitel in der Geschichte des Löwenhofes begann Ende 1996 mit dem Ankauf des Gebäudekomplexes durch die Stadt Dortmund. Am 1. Juli 1997 zog die Verwaltung der Volkshochschule in die provisorisch hergerichteten Räume im Gebäudeteil am Gnadenort, Ende des gleichen Jahres begann der Umbau von Löwenhof und Stahlturm zum Haus der Volkshochschule. Zum Weiterschreiben dieses Kapitels sind nun alle Dortmunder und Dortmunderinnen eingeladen.

Volkshochschule Dortmund
Ulrike Rüthing-Vollmer
Hansastraße 2-4
44137 Dortmund

Ein besonderer Dank gilt der Fa. Thyssen Schulte, die durch die Bereitstellung umfangreicher Bild- und Textdokumentationen wesentlich zur Erstellung dieser Broschüre beigetragen hat. Wir bedanken uns ebenfalls bei den vielen Zeitzeugen, die aufgrund ihrer Erinnerung die Geschichte des Löwenhofes erhellten.